Wem dienst du?

Dienen ist ja eigentlich out. Sich dienen lassen in. Ich merke das auch in bestimmten Bereichen, in denen ich mich gerne zurücklehne und andere machen lasse. Die Vorteile nehme ich natürlich mit 🙂 – Ok, manche Menschen haben wiederum verlernt sich dienen zu lassen. Gerade die wenigen Menschen, die sich für andere Menschen aufopfern. Sie würden alles tun, aber selbst etwas annehmen fällt ihnen schwer. Beide Seiten haben ihre Berechtigung aber auch ihre Grenzen. Man muss sich manchmal etwas „gefallen“ lassen und sich mal zurücklehnen, aber viel mehr gilt, dass wir beginnen zu dienen, zu geben und zu verschenken. Ich glaube, dass diese Seite wichtiger ist. Und sie zu leben funktioniert nur, wenn man sich auch einmal was schenken lässt.

Aber wie ist das mit dem Dienen als Nachfolger Jesu? Was ist ein „gesundes“ dienen? Als Christen sind wir immer wieder in der Gefahr mehr einer gewissen „Rechtgläubigkeit“ zu dienen als das zu leben, zu was wir eigentlich aufgefordert sind. Das klingt sehr unkonkret, deshalb hier das, was Paulus dazu geschrieben hat:

„Er (Gott) hat uns fähig gemacht, Diener des neuen Bundes zu sein – eines Bundes, der sich nicht mehr auf das schriftlich niedergelegte Gesetz gründet, sondern auf das Wirken von Gottes Geist. Denn das Gesetz bringt den Tod, aber der Geist ´Gottes` macht lebendig.“ (2.Korinther 3,14)

Martin Luther übersetzt hier: „der Buchstabe tötet“ – Also nicht sehr erfreulich wenn wir versuchen hinter allem einen Haken zu setzen, was wir als Christen einhalten sollen. Der Buchstabe wird uns IMMER WIEDER überführen und immer wieder zeigen: „Du hast keine Chance. Du bist zum Tod verurteilt. Du kannst nicht bestehen weil du nicht alles einhalten kannst. Das Gesetz ist gut, aber du nicht.“ Deshalb zeigt dir der Buchstabe wer du bist. Er hält dir einen Spiegel vor. Wenn du hineinschaust wirst du feststellen: Ich entspreche nicht dem, was das Gesetz von mir erwartet. Ich kann in diesem Zustand nicht bestehen. Das hat auch der Prophet Jesaja im alten Testament festgestellt. Er sagte: „Weh mir, ich bin verloren. Denn ich bin ein Mann mit unreinen Lippen“ (Jesaja 6,5).

Wer so lebt, dem wird man die Freude, die wir eigentlich in der Nachfolge Jesu haben sollten, nicht wirklich abspüren… weil sie ja auch nicht da ist.

Ich habe den Eindruck, dass viele Menschen genau dem dienen. Sie dienen dem Buchstaben und nicht dem, der hinter den Buchstaben steht. Diese Erkenntnis, die Jesaja hatte, ist durchweg heilsam. Sie ist nicht falsch. Aber welche Konsequenzen wir daraus ziehen ist entscheidend, wie wir jetzt weitergehen. Wir können versuchen trotz dem Wissen, dass wir letztendlich keine Chance haben, so gut wie möglich danach zu leben ohne den zu kennen, der hinter diesen Buchstaben steht – und viele Menschen leben genau so. Die Konsequenz ist, dass wir aber keinen Frieden in uns haben. Wir haben immer den Druck, koste es was es wolle, bestehen zu müssen… was aber eben NICHT MÖGLICH IST!  Das Gesetzt TÖTET!

Der Einzige, über den der Buchstabe keine Macht bekommen hat, weil er ihm eben NICHT gedient hat, ist der Sohn Gottes, Jesus Christus. Vielleicht sagst du jetzt: Moment mal! Jesus selbst hat doch gesagt: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um das Gesetz und die Propheten aufzuheben. Ich bin nicht gekommen, um aufzuheben, sondern um zu erfüllen.“ (Matthäus 5,17) Ja, das stimmt. Und das ist auch geschehen. Wir feiern deshalb demnächst Weihnachten, weil genau das geschehen sollte. Er kommt auf die Welt um am Kreuz zu sterben. Dass das Gesetz ihn dann nicht im Tod festhalten konnte feiern wir ja gerade an Ostern, an dem Jesus von den Toten auferstand. ER (der Tod) HATTE KEIN ANRECHT AUF IHN! Er HAT das Gesetz erfüllt.

ABER: er hat nicht das Gesetz um des Gesetzes Willen erfüllt. Er hat das Gesetz erfüllt, weil er dem gedient, vertraut, geliebt und gehorcht hat, der hinter dem Buchstaben steht. Es geht im Christsein NICHT um das Erfüllen von Regeln und Gesetzen, sondern es geht um das VERTRAUEN dem gegenüber, der hinter dem Buchstaben steht.

Es geht also um Vertrauen. Und das Vertrauen gilt einer Person. Und dieser Person dürfen wir dienen weil wir, wie es Jesus selbst schon vorgelebt hat, dieser Person voll und ganz vertrauen KÖNNEN. Jesus Christus lebt durch den Heiligen Geist in jedem Menschen, der ihm nachfolgt. Die Entscheidung ihm zu vertrauen nimmt er uns nicht ab, aber WENN wir ihm vertrauen, haben wir eine Verheißung: Dass wir lebendig werden, weil der Geist lebendig macht. Das bedeutet, dass man sich nicht mehr selbst lebt, weil ER in einem lebt (Galater 2,20). Durch IHN kommt das Gute in den Menschen – das, wozu es sich lohnt zu leben, das, was das Leben lebenswert macht. In dieser einmaligen Verbindung in der uns Paulus auffordert zu leben, wird das lebendig, was bereits durch das Gesetz angedeutet wurde: Das Leben, nach dem du dich sehnst – das Leben, zu dem der Mensch seit der Schöpfung gedacht ist.

Und wenn wir versagen und in den Spiegel schauen, sehen wir nicht mehr unser Versagen, sondern den, der unser Versagen mit ans Kreuz genommen hat. Wir sehen IHN der das Gesetz erfüllt hat, uns vom Tod ins Leben geholt hat und der sagt: „Mein Freund, ich habe mein Leben für dich gegeben, damit du leben kannst – und deshalb bin ich jetzt auch bei dir, weil ICH das Leben bin. Komm, und folge mir nach – vertrau mir.“

Somit mach das Vertrauen gegenüber Gott uns fähig zu dienen, weil wir dem Heiligen Geist erlauben in unserem Leben aufzuräumen und zu wirken. Und so wird der Mensch lebendig.

Dienen heißt Leben. Lasst uns dem dienen der das Leben hat!

Ich grüße euch herzlich und wünsche euch weiterhin eine immer heller werdende Adventszeit,

Euer Oliver Ohler